Visualisierung des neuen Museumskomplexes des Jüdischen Museums Frankfurt mit Rothschildpalais und Erweiterungsbau

Das neue Jüdische Museum Frankfurt

Eine Vision nimmt Gestalt an

Wir sind das älteste eigenständige Museum der Bundesrepublik Deutschland, das sich dem Sammeln und Bewahren deutsch-jüdischer Kulturgüter widmet und jüdische Geschichte und Gegenwart an eine breite Öffentlichkeit vermittelt. In diesem Jahr begehen wir unser 30-jähriges Jubiläum.

Jubiläen sind ein Anlass, sich seiner selbst zu vergewissern. Das tun wir in diesem Jahr gleich mehrfach: Etwa mit unserer Social Media Kampagne "30 Jahre, 30 Geschichten" oder mit unserem Symposium über 30 Jahre jüdische Museologie. Diese Selbstreflexionen dienen weniger der Rückschau; sie bilden vielmehr das Fundament unserer Zukunft. Denn das Jüdische Museum befindet sich in einem Prozess der grundlegenden Erneuerung, der eine Neugestaltung unserer beiden permanenten Ausstellungen, eine bauliche, digitale und programmatische Erweiterung wie auch eine organisatorische Transformation umfasst.

Ein neues Museum ist im Entstehen begriffen

Es ist eine einmalige Chance, wenn sich ein Museum grundlegend erneuern und erweitern darf. Im Februar 2012 fassten die Stadtverordneten Frankfurts einen Grundsatzbeschluss zur Sanierung und Erneuerung des Jüdischen Museums. Im Sommer 2015 stimmte der Magistrat den Plänen des Museums für ein neuartiges Zentrum jüdischer Geschichte und Kultur zu.

Unmittelbar neben dem Rothschild-Palais, in dem das Museum 1988 eröffnet wurde, entsteht seither ein neues Gebäude von staab Architekten, das einen großzügigen Eingangsbereich mit zwei Foyers, einem Museumsshop, einem Museumscafé und einem Veranstaltungsraum umfassen wird. Im Untergeschoss dieses neuen Gebäudes befinden sich die Räumlichkeiten für die zukünftigen Wechselausstellungen, die 633 Quadratmeter umfassen. Im ersten Stock wird die neue Bibliothek zu finden sein, in der auch die Archivalien des Museums, insbesondere die Dokumente des Familie Frank Zentrums eingesehen werden können.

Dr. Mirjam Wenzel bei ihrer Antrittspressekonferenz am 14. Januar 2016

Mit der Wiedereröffnung des Ensembles rund um die vormalige Judengasse und der Neueröffnung des Museumskomplexes am Untermainkai entsteht ein einzigartiges Zentrum für jüdische Kultur in Geschichte und Gegenwart, das die Vielfalt jüdischen Lebens auf visuelle, emotionale und kognitive Art erfahrbar macht.

Der erste Standort des Jüdischen Museums, das historische Rothschild-Palais wird derzeit saniert und dabei in seine historische Raum- und Gebäudestruktur überführt. Hier soll in Zukunft die permanente Ausstellung zu sehen sein. Sie präsentiert die jüdische Geschichte und Kultur Frankfurts seit der Emanzipation auf drei Etagen mit thematischen Schwerpunktsetzungen. Der erste Teil dieser permanenten Ausstellung ist im Museum Judengasse zu sehen. Rituelle Objekte, Schriften und Alltagsgegenstände aus der Frühen Neuzeit, Kinder- und Audiostationen und die steinernen Fundament von fünf Häusern geben einen lebendigen Einblick in das Leben im ersten jüdischen Ghetto Europas. Die grundlegend neu gestaltete Ausstellung am zweiten Standort des Jüdischen Museums wurde im März 2016 wiedereröffnet und noch im selben Jahr mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet.

Open House

30 Jahre nach der feierlichen Eröffnung des Museums, am 10. November 2018, öffnen wir die Baustelle am Untermainkai, um alle Interessierten an unserem Museum im Werden teilhaben zu lassen. Unser Open House dauert fünf Tage und sechs Nächte lang. Im teilsanierten Rothschild-Palais zeigen wir währenddessen eine zeitgenössische Kunstausstellung, die den Schwebezustand zwischen Unterwegssein und Ankommen thematisiert. Im Zentrum aber steht der Neubau: dieser wird zum ersten Mal in Teilen öffentlich zugänglich gemacht und sein Werden in Baustellenbildern, ausgewählten Strips aus unserem Bauzaun-Comic "Manu und Saul" von Volker Reiche und Architekturzeichnungen thematisiert. Mit Diskussionen, Konzerten, Filmen und einer Theateraufführung laden wir alle Interessierten ein, unser 30-jähriges Jubiläum und die Diversität jüdischer Gegenwartskultur zu feiern.

Unser Open House schließt an die beiden temporären Plattformen an, die wir in den beiden vergangenen Jahren im öffentlichen Raum errichtet hatten. Während das Pop Up Boat und das Pop Up Monument einen partizipativen Zugang zu den Themen und Fragen des neuen Jüdischen Museums wählten, lädt Open House Sie dazu ein, am Werden des neuen Jüdischen Museums vor Ort teilzuhaben.

Museum ohne Mauern

Unsere temporären Plattformen veranschaulichen, wie wir uns verstehen: als ein Museum im Wandel, das transparent und offen auf seine Besucher*innen zugehen und Barrieren abbauen will. Wir verbinden mit dieser Haltung in Zeiten zunehmender verbaler und handgreiflicher Gewalt auch eine Mission: wir betrachten es als unsere Aufgabe, die interkulturelle Verständigung zu stärken, jüdische Geschichte in der Gegenwart erfahrbar zu machen und weithin zur Selbstreflexion anzuregen. Deshalb haben wir unsere Aktivitäten im Stadtraum in den vergangenen beiden Jahren systematisch ausgebaut und Bildungsprogramme entwickelt, die gesellschaftlicher Diversität mit vielseitigen, niedrigschwelligen und partizipativen Angeboten gerecht werden und dem ansteigenden Antisemitismus an Schulen entgegen wirken wollen.

Unsere App "Unsichtbare Orte"

Mit der App "Unsichtbare Orte" gehen Nutzer*innen auf Spurensuche in Frankfurt. Überall im Stadtraum gibt es Orte zu entdecken, die von der Migration nach Frankfurt erzählen. Die App macht diese Orte erfahrbar. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erzählungen von Migrant*innen in Frankfurt.

Eine Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt

Ansicht der der App "Unsichtbare Orte"

Vernetztes Handeln

Mit unseren Bildungsangeboten, unseren vielfältigen Kooperationen und unseren digitalen Aktivitäten möchten wir unsere Vision eines offenen, transparenten und vernetzten Museums Realität werden lassen. Wir sind davon überzeugt: vernetztes Handeln im digitalen wie im sozialen Raum kann sicherstellen, dass die offenen, aufgeklärten und zivilen Gesellschaften in den europäischen Städten fortbestehen, in deren Mitte Jüdinnen und Juden weiterhin leben wollen und können.