Blick auf das Rothschildpalais am Untermainkai in Frankfurt am Main.

Geschichte des Jüdischen Museums Frankfurt

Das erste jüdische Museum der Bundesrepublik Deutschland

Wir sind das erste und somit das älteste jüdische Museum der Bundesrepublik Deutschland! Am 9. November 1988 eröffnete Bundeskanzler Helmut Kohl das Museum anlässlich des 50. Jahrestages des Novemberpogroms. Die Geschichte des Museums reicht jedoch deutlich weiter zurück.

Das Museum Jüdischer Altertümer

Blick in den Innenraum des Museums Jüdischer Altertümer in Frankfurt am Main, um 1922
Blick in den Innenraum des Museums Jüdischer Altertümer in Frankfurt am Main, um 1922

Das heutige Jüdische Museum ist nicht das erste seiner Art in Frankfurt. 1922 öffnete das Museum Jüdischer Altertümer seine Räume. Es war aus der „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler“ hervorgegangen, die der Frankfurter Mäzen Charles Hallgarten 1897 gegründet hatte. Das Museum zeigte vor allem wertvolle Kultgegenstände und war im ehemaligen Bankhaus der Familie Rothschild in der Fahrgasse untergebracht. Im Gegensatz zu heute betrieb damals die Jüdische Gemeinde das Museum. Auch sie hatte ihre Verwaltungsräume in der Fahrgasse.

In der Reichspogromnacht 1938 plünderten  SA- und SS-Leute das Museum und zerstörten einen Großteil der Sammlung. Knapp 1.000 Objekte verleibte sich das Historischen Museum Frankfurt ein, einige kamen in den örtlichen Kunsthandel, andere wurden eingeschmolzen. Ein Teil unserer Judaica-Sammlung stammt aus den Beständen dieses Museums.

Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden

Nach dem Zweiten Weltkrieg regten vertriebene Frankfurter jüdische Bürger an, Material über die jüdische Geschichte Frankfurts zu sammeln und zu publizieren. Die Stadt unterstützte dieses Vorhaben. 1961 gründete sich eine eigene Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden. Ihr gehörten unter anderem Max Horkheimer, die Rabbiner Kurt Wilhelm und Georg Salzberger und viele weitere namhafte Persönlichkeiten an.

Gründung des Jüdischen Museums im Rothschildpalais

1979 entstand der Plan, wieder ein Jüdisches Museum in Frankfurt zu gründen. Es sollte ein städtisches Museum und Teil des neuen Museumsufers werden, das der Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann seit 1977 vorantrieb. Als neuer Standort rückte das historische Rothschildpalais am Untermainkai zusammen mit dem Nachbargebäude in den Fokus. Georg Heuberger wurde 1985 der erste Direktor. Mit dem Eröffnungsdatum 9. November 1988 zum 50. Jahrestag des Novemberpogroms betonten die Verantwortlichen die erinnerungspolitische Ausrichtung des Museums.

30 Jahre - 30 Geschichten - #30JahreJMF

Wir begehen unser 30-jähriges Jubiläum in diesem Jahr mit einem Rückblick auf die Höhepunkte unserer Museumsgeschichte. Jeden Freitag finden Sie eine neue Geschichte auf unseren Social Media-Kanälen.

Foto des Rothschildpalais 1985 während des Umbaus zum Jüdischen Museum als Teil des Frankfurter Museumsufers.

Museum Judengasse

Vogelperspektive auf Grabungen auf dem Frankfurter Börneplatz im Mai 1987
Grabungen auf dem Frankfurter Börneplatz im Mai 1987. Die hier ausgegrabenen Fundamente befinden sich heute im Museum Judengasse. Foto: Andreas Pohlmann

1987 kamen bei Bauarbeiten am Frankfurter Börneplatz Fundamente von 19 Häusern der Judengasse an die Oberfläche – ein bis dahin einmaliger archäologischer Fund. Die Judengasse, das frühere jüdische Ghetto, war 1462 entlang der hochmittelalterlichen Stadtmauer eingerichtet worden. Sie entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten jüdischen Zentren in Europa. Bis zu 3.000 Menschen lebten hier auf engstem Raum.

Die Funde lösten den sog. Börneplatzkonflikt aus. Dabei ging es um die Frage, was mit diesen Zeugnissen der jüdischen Stadtgeschichte geschehen sollte. Die Stadt wollte an dieser Stelle ein Verwaltungsgebäude errichten. Demonstrant*innen forderten hingegen, dass die Fundamente erhalten bleiben sollten. Der Streit erhitzte die Gemüter in ganz Deutschland. Am Ende stand ein Kompromiss: Fünf der ausgegrabenen Hausfundamente wurden abgetragen und im Kellergeschoss des Verwaltungsgebäudes am originalen Platz wiederaufgebaut. Sie bilden heute das Herz des Museum Judengasse, das 1992 als Dependance des Jüdischen Museums eröffnet wurde.

2016 erhielt das Museum Judengasse eine neue Dauerausstellung. Sie präsentiert die Geschichte der Judengasse und des Frankfurter jüdischen Lebens bis in die Jahre nach 1800, als sich Jüdinnen und Juden auch außerhalb der Judengasse ansiedeln durften. Neben dem Museum Judenplatz liegen der alte jüdische Friedhof an der Battonnstraße und die Gedenkstätte Neuer Börneplatz.

Das neue Jüdische Museum

Seit 2015 entsteht das Jüdische Museum am Untermainkai neu. Es erhält einen großzügigen Erweiterungsbau nach dem Entwurf von Staab Architekten. Das Rothschildpalais und sein Nachbargebäude werden für die neue Dauerausstellung umgebaut und renoviert. Die Wiedereröffnung ist für Spätsommer 2019 geplant.