Die Sammlung und das Archiv des Familie Frank Zentrums können auf verschiedene Art und Weise erkundet werden. Ein Besuch im Jüdischen Museum Frankfurt oder die Online Sammlung sind die schnellsten Wege zur Familienüberlieferung.

Der Großteil der Bestände des Familie Frank Zentrums, die in den vergangenen Jahren nach Frankfurt kamen, stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Ein kleiner Teil davon wird in der neuen Dauerausstellung des Jüdischen Museums gezeigt. Die übrigen Dokumente und Objekte werden für die Forschung zugänglich gemacht. Die momentan im Aufbau befindliche Online-Sammlung wird den digitalen Einblick in die Familiengeschichte ermöglichen.

Die Objekte-Sammlung der Familie Frank-Elias

Seite eines Fotoalbums von Stephan Elias, ein Cousin von Anne Frank, gestaltet von seinen Eltern Helene und Erich Elias um 1924
Seite eines Fotoalbums von Stephan Elias, gestaltet von seinen Eltern Helene und Erich Elias um 1924 © Anne Frank Fonds Basel

Die Sammlung des Familie Frank Zentrums besteht größtenteils aus Alltagsgegenständen aus dem Haus von Buddy und Gerti Elias, dem Cousin von Anne Frank und seiner Ehefrau. Unter diesen Gegenständen befinden sich Gemälde, Möbel, Porzellan, Spielzeug und Bücher. Viele der Gegenstände gehörten ursprünglich zum Familienbesitz der Familie Frank-Elias in Frankfurt. Alice Frank, Buddy Elias‘ Großmutter, konnte 1933 bei ihrer Flucht nach Basel einiges retten. Eine Eidesstattliche Erklärung mit einer zweiseitige Auflistung aller Gegenstände ihrer Frankfurter Hauseinrichtung, die sie bei ihrer Flucht unterzeichnen musste, bestätigt diesen Besitz.

Hinzu kommen einige Bücher der Familie Elias. Neben Klassikern der deutschen, französischen und englischen Literatur handelt es sich dabei um Kinderbücher der Geschwister Robert, Herbert, Otto und Helene Frank, die um 1900 erschienen waren, sowie Kinderbücher von Stephan und Buddy Elias aus den 1920er und frühen 1930er Jahren. Viele der Bücher sind beschriftet oder mit einer Widmung versehen.

Von Otto Frank, der nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz zunächst in die Niederlande zurückkehrte und schließlich in der Schweiz lebte, sind neben den Kinderbüchern nur wenige Objekte überliefert.

Einen weiteren Teil der Haushaltsgegenstände hatte ihre Tochter Helene Elias mitgebracht. Sie war  bereits 1931 nach Basel emigriert. Auch Helenes Bruder Herbert Frank beförderte einen Teil des Familienbesitzes nach Basel. Darunter waren Erbstücke der Familie von Alfred und Clara Stern, die nach deren Ableben in den 1930er Jahren durch die Tochter Antonia Stern in den Besitz von Herbert Frank gekommen waren. In erster Linie waren es Literaturklassiker und historische Werke, die Alfred Stern verfasst oder herausgegeben hatte. Im Gepäck von Herbert Frank befanden sich auch autobiographische und familiengeschichtliche Aufzeichnungen von und über die Sterns sowie einzelne mittelalterliche Werke und Gebetsbücher.

Dokumente und Fotos aus dem Familiennachlass

Ein Teil der Sammlung wurde von der Familie erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. Als Gerti und Buddy Elias im Jahr 2001 den Dachboden ihres Hauses in der Herbstgasse 11 aufräumten, fanden sie neben alten Möbeln und Spielsachen mehrere tausend Briefe, Postkarten, persönliche und amtliche Dokumente sowie Fotos ihrer Familie aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Alice Frank hatte sie dort verstaut und mit den Jahren kamen weitere hinzu. Nach ihrem Tod waren die Dokumente für Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Mirjam Pressler verfasste auf Grundlage dieses Fundes das Buch "Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank".

Aus: Nachwort von Gerti Elias, in: Mirjam Pressler: „Grüße und Küsse an alle“. Die Geschichte der Familie von Anne Frank, Frankfurt a.M. 2009, S. 417.

Der Dachboden "war vollgepackt mit Möbeln, Kisten, Schachteln, Koffern, die natürlich meine Neugier erregten, besonders zwei weiße Schränke, in denen ich wunderbare Sachen fand, Paillettenkleider, einen Chapeau Claque, einen Frack, Abendkleider, Pelze, Hüte. Ich entdeckte auch einen mit Blümchenstoff überzogenen Karton. In ihm befanden sich Briefe, viele Briefe, manche ungeordnet, andere wiederum liebevoll mit seidenen Bändern verschnürt."

Frankfurt-Postkarte des 13-jährigen Robert Frank an seine Eltern Michael und Alice Frank, 1899
Frankfurt-Postkarte des 13-jährigen Robert Frank an seine Eltern Michael und Alice Frank, 1899 © Anne Frank Fonds Basel

Die Familie entschied, die Dokumente, Fotos und Briefe nach Frankfurt zu geben. Sie bilden den Kern des Familie Frank Zentrums. Ergänzt wird diese Dokumentensammlung um über zweihundert Briefe und Fotos, die das Historische Museum Frankfurt in den 1980er Jahren erhalten und ausgestellt hatte. Im Frühjahr 2013 wurden auch diese Familiendokumente dem Familie Frank Zentrum überlassen.

Zusammen gewähren die rund 100.000 Dokumente und 6.000 Fotos einen ergreifenden Einblick in das Leben der Familie Frank und ihrer Vorfahren seit dem 19. Jahrhundert. Im Zentrum steht dabei Frankfurt am Main, doch lassen sich auch familiäre Verflechtungen zwischen der Handelsmetropole und anderen Orten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz nachzeichnen. Die Dokumente veranschaulichen das Interesse der Familie an moderner Bildung und bürgerlicher Kultur um 1900, ihre Zugehörigkeit zu Deutschland und ihren Einsatz während des Ersten Weltkriegs sowie das Schicksal der Familien in zwischen Emigration, Flucht und Verfolgung.

Dokumente des Anne Frank Fonds

Das Archivmagazin im Erweiterungsbau des Jüdischen Museums wird neben Familiendokumenten auch das Geschäftsarchiv des Anne Frank Fonds aufbewahren. Der Fonds wurde 1963 von Otto Frank als karitative Stiftung gegründet und als Universalerbe eingesetzt. Als Rechteinhaber der Schriften von Anne Frank dokumentiert das Geschäftsarchiv die über 70-jährige internationale Verlagsgeschichte sowie das karitative und edukative Engagement der Stiftung.