Dieses Farbdia zeigt die Ankunft eines Deportationszugs aus Deutschland im Ghetto Lodz, Oktober / November 1941

Farbdias der deutschen Gettoverwaltung in Łódź

1987 tauchten im Wiener Antiquariatshandel fast 500 Farbdias aus dem Ghetto in Łódź auf. Wir haben diesen Bestand erworben und 1990 zum Mittelpunkt einer Ausstellung zur Geschichte dieses Ghettos gemacht; das erste seiner Art in Polen unter deutscher Besatzung. („Unser einziger Weg ist Arbeit”. Das Getto in Lodz 1940–1944).

Wirtschaft und Zwangsarbeit im Ghetto

Im Zentrum der Aufmerksamkeit des Fotografen standen die Wirtschaftsbetriebe im Ghetto, in denen für die Wehrmacht, für deutsche Privatunternehmen und für die Eigenversorgung des Ghettos produziert wurde. Vermutlich war die Diaserie angelegt worden, um Produktionsaufträge für die Ghettobetriebe einzuwerben. Auf die Bedeutung der Zwangsarbeit für den Fortbestand des Ghettos verweist auch der Titel der Ausstellung: „Unser einziger Weg ist Arbeit” war das Motto des Leiters der jüdischen Selbstverwaltung, Chaim Rumkowski.

Unsere Nachforschungen ergaben, dass die Fotos 1940 bis 1944 vom Finanzleiter der deutschen Ghettoverwaltung, Walter Genewein aus Salzburg, angefertigt worden waren. Sie zeigen die Grenzen des Ghettos von innen und außen, einen Besuch Heinrich Himmlers und anderer hoher NS-Funktionäre im Ghetto, die führenden Mitarbeiter der deutschen Ghettoverwaltung und der jüdischen „Selbstverwaltung“ des Ghettos. Genewein fotografierte außerdem Straßenszenen und einzelne Bewohner des Ghettos sowie die verschiedenen Einrichtungen im Ghetto.

Hans Biebow, Leiter der deutschen Ghettoverwaltung, an Werner Ventzki, Oberbürgermeister von Łódź, 19.4.1943

"… ist die Ernährung der Juden in der jetzigen Form nicht mehr zu verantworten, weil anderenfalls ein Absinken der Leistung zum Schaden der Wehrmacht eintreten würde."

Reaktionen von Zeitzeug*innen

Zeitzeug*innen, die das Ghetto in Łódź überlebt hatten, reagierten auf diese Farbdias befremdet, teils schockiert. Zu sehr unterschied sich der Blick des an der ökonomischen Ausbeutung und Vernichtung der Ghettoinsassen beteiligten Fotografen von ihren eigenen inneren Bildern und Erinnerungen. Hunger, Seuchen, Deportation und Tod, die den Ghettoalltag bestimmten, sind in Geneweins Fotos höchstens angedeutet.

126 dieser Farbdias wurden im Katalog der Ausstellung („Unser einziger Weg ist Arbeit”. Das Getto in Lodz 1940–1944. Wien: Löcker, 1990) publiziert. Die Farbdias wurden auch zur Grundlage des unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten Dokumentarfilms „Fotoamator / Photographer“ des polnischen Regisseurs Dariusz Jablonski von 1998.

Hier finden Sie eine Übersicht über sämtliche Dias sowie eine Beschreibung.