Ausschnitt  aus dem Bild  Marc Chagall, Merkur und der Holzfäller, 1926 Gouache/blaues Papier,  51,4 x 41,2 cm; Privatbesitz.
Rückblick

Verehrt und verfemt

Chagall und Deutschland / 02.02.2004 - 18.04.2004

Chagall und Deutschland – das ist die komplizierte, ein Leben lang andauernde Wechselbeziehung zwischen einem der bedeutendsten Künstler der Moderne und einem Land, das zu Anfang des 20. Jahrhunderts einen ungeheuren künstlerischen Aufbruch erlebte, der jedoch durch den Nationalsozialismus abrupt beendet wurde.

Blick in die Ausstellung "Chagall und Deutschland" im Jüdischen Museum Frankfurt, 2004
Blick in die Ausstellung "Chagall und Deutschland" im Jüdischen Museum Frankfurt, 2004

Der Zweite Weltkrieg und der Zivilisationsbruch eines bis dahin ungekannten Ausmaßes erschütterten die deutsche Identität nachhaltig und erzwangen eine geistige und kulturelle Neuorientierung nach 1945. Die Rezeption Chagalls in Deutschland von 1913 bis heute spiegelt seismographisch all diese Erschütterungen. Heute sind seine Werke sowohl zu Zeugnissen dieses Zivilisationsbruches geworden als auch zu Sinnbildern eines universalen, Länder und Kulturen übergreifenden Humanismus.

Chagall als jüdischer Künstler der Moderne in Berlin (1913–1933)

Chagall fasziniert als jüdischer Avantgarde-Künstler zunächst ein kleines Publikum, aber zu seinen Förderern gehören nahezu alle bedeutenden Galeristen, Kritiker, Kunstsammler und Museumsdirektoren in der Weimarer Zeit. Bis 1933 gelangen mehr als 200 Werke Chagalls in deutschen Besitz. Während seines Berlin-Aufenthaltes 1922/23 erlernt Chagall bei Hermann Struck und Joseph Budko die graphischen Techniken, die seiner Kunst entscheidende neue Perspektiven eröffnen. Im Auftrag Paul Cassirers entsteht in Berlin der Zyklus der Radierungen mit dem Titel „Mein Leben”.

„Entartete Kunst” – der Künstler bezieht Stellung gegen Unmenschlichkeit (1933–1945)

Bereits 1933 werden Chagalls Werke diffamiert und ab 1938 zum Inbegriff „Entarteter Kunst” im Nationalsozialismus. Die aus Museen und jüdischen Sammlungen beschlagnahmten Arbeiten, darunter viele Meisterwerke seiner ersten Pariser Zeit, werden gegen Devisen ins Ausland verkauft. Chagall reagiert auf die Ausgrenzung des jüdischen Volkes und den Holocaust mit der Schöpfung von neuen, metaphernreichen Werken, die sich mit der Kreuzigung des jüdischen Christus als Sinnbild des Leidens auseinandersetzen.

Biblische Botschaften und Versöhnung (1945 bis heute)

Nach dem zweiten Weltkrieg beginnt die Mehrheit des deutschen Publikums, Chagall als modernen Maler zu entdecken. Sein Werk bereitet wesentlich den Weg zum Verständnis moderner, auch abstrakter Kunst. Gleichzeitig werden vor allem Chagalls biblische Bilder als Zeichen der Versöhnung und eines neuen Friedens wahrgenommen. Für Frankfurt malt Chagall 1958/59 das Gemälde „Commedia dell'Arte”. Zu seinen letzten Werken gehören die Chorfenster von St. Stephan in Mainz.

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geschlossen

  • Eintrittspreise noch offen

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Untermainkai 14, 60311 Frankfurt am Main

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