Walter Genewein: untitled (Arrival of New Ghetto Inhabitants), Jüdisches Museum Frankfurt
Rückblick

"Und keiner hat für uns Kaddisch gesagt..."

Deportationen aus Frankfurt am Main 1941 bis 1945 / 15.03.2005 - 04.09.2005

Um 1930 lebten in Frankfurt etwa 30.000 jüdische Bürger. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden sie diffamiert, terrorisiert, ihrer Existenz beraubt und zur Auswanderung getrieben. Bis 1939 hatte ungefähr die Hälfte der Frankfurter Juden Deutschland verlassen. Dafür waren Tausende aus Dörfern und kleineren Städten in Hessen nach Frankfurt gezogen, da sie sich hier in der Anonymität der Großstadt mehr Schutz erhofften. 1941 wohnten noch etwa 10.000 Menschen in Frankfurt, die nach nationalsozialistischen Kriterien als Juden verfolgt waren.

Kennkarte, ausgestellt für Egon Lapp mit Stempel “EVAKUIERT”, Frankfurt am Main 15. September 1939
Kennkarte, ausgestellt für Egon Lapp mit Stempel “EVAKUIERT”, Frankfurt am Main 15. September 1939. Egon Lapp wurde als Jugendlicher am 14.2.1945 nach Theresienstadt verschleppt. Er überlebt die Deportation. Privatbesitz

Am 19. Oktober 1941 verließ der erste Transport mit über 1.100 Menschen Frankfurt. Ab sechs Uhr morgens holten an diesem Tag SA-Leute die überraschten Menschen aus ihren Wohnungen und trieben sie mit einem Schild um den Hals und ihrem Gepäck in der Hand zur Großmarkthalle. Von dort wurden sie in das Ghetto Lodz verschleppt. Nur zwei überlebten. Noch am 15. März 1945, elf Tage bevor die amerikanischen Truppen Frankfurt erreichten, wurden die letzten, die bis dahin noch vor der Deportation durch ihre Ehe mit einem nicht-jüdischen Partner bewahrt waren, in das Ghetto Theresienstadt abtransportiert.

Die Ausstellung stellt erstmals umfassend die Deportation der Juden aus Frankfurt zwischen 1941 und 1945 dar. Im Mittelpunkt stehen die Lebensläufe exemplarischer Personen, die anhand von persönlichen Zeugnissen, Dokumenten und Fotos eindringlich nachgezeichnet werden. Aus der Perspektive der Opfer werden so der Ablauf der Deportation in Frankfurt und das Schicksal der Verschleppten in den Lagern und Ghettos rekonstruiert.

„Kaddisch” ist das traditionelle jüdische Gebet, das Gott im Vertrauen auf die Auferstehung der Toten lobpreist.

Zur Ausstellung ist ein umfassender, reich bebilderter Katalog im Verlag Stroemfeld erschienen (20 Euro).

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geschlossen

  • Eintrittspreise noch offen

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Untermainkai 14, 60311 Frankfurt am Main

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