Ein Werk aus dem Ringelblum-Archiv: Rozenfeld: Staging Point, Foto: Ringelblum Archive/Jewish Historical Institute in Warsaw.
Rückblick

Oneg Schabbat

Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos/ Ringelblum-Archiv / 28.09.2000 - 21.01.2001

Im Rahmen des Schwerpunktthemas „Polen” der Frankfurter Buchmesse 2000 zeigen das Jüdische Historische Institut Warschau (Zydowski Instytut Historyczny) und das Jüdische Museum Frankfurt am Main eine Ausstellung über das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto und über dessen Gründer und Leiter, den Historiker Emanuel Ringelblum. Dabei wird zum ersten Mal in Deutschland der Öffentlichkeit eine Auswahl der zahlreichen von Ringelblum und seinen Mitarbeitern gesammelten Berichte und Dokumente über die Geschichte der polnischen Juden unter der deutschen Besatzung im Original präsentiert.

Ringelblum hatte 1927 an der Universität Warschau mit einer Arbeit über die Geschichte der Warschauer Juden im Mittelalter promoviert. Nach seiner Promotion arbeitete Ringelblum als Geschichtslehrer an jüdischen Schulen und beim Joint Distribution Committee. Nach der deutschen Besetzung Polens war Ringelblum für die soziale Selbsthilfe des Warschauer Ghettos tätig. Er organisierte ein System von Suppenküchen und gründete eine Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Kultur.

Daneben begann er, eine Chronik über das Leben im Ghetto zu verfassen und Berichte von Juden, die aus anderen Ghettos und aus Arbeitslagern nach Warschau kamen, zu sammeln. Ab 1940 wurde das Archiv zu einem organisierten Untergrundbetrieb mit mehreren Dutzend Mitarbeitern ausgebaut. Ziele des Archivs waren die Aufzeichnung der Ereignisse im Warschauer Ghetto und im gesamten besetzten Polen, die Niederschrift von Zeugenaussagen und die Sammlung von Dokumenten über die deutschen Verfolgungsmaßnahmen, den jüdischen Widerstand und die Selbstbehauptung in den Ghettos und Lagern. Ringelblum und seine Mitarbeiter sammelten so Beweisstücke über die Deportationen und den Massenmord und leiteten sie mit Hilfe des polnischen Untergrunds nach London weiter, um die Weltöffentlichkeit zu informieren. Ringelblum selbst konnte mit seiner Familie 1943 bei polnischen Helfern untertauchen. Sein letztes Versteck wurde am 7. März 1944 entdeckt. Wenige Tage später wurden Ringelblum, seine Familie und ihre Gefährten in den Ruinen des Warschauer Ghettos erschossen.

Die von Ringelblum und seinen Mitarbeitern gesammelten Dokumente wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten in metallenen Behältern und Milchkannen an verschiedenen Stellen im Ghetto versteckt. Der erste Teil des Archivs wurde 1946 in den Ruinen des Ghettos gefunden, ein zweiter Teil vier Jahre später. Das Ringelblum-Archiv, die bedeutendste Einzelquelle für die Geschichte der polnischen Juden während des Krieges, wird heute im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt.

Ausstellungsort:
Museum Judengasse Frankfurt

Heute geöffnet: 10:00 – 20:00

  • Erwachsene
    6€
  • Ermäßigt
    3€
  • Mitglieder des Fördervereins
    Frei
  • Kinder / Jugendliche unter 18 Jahren
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  • Am letzten Samstag des Monats
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  • Inhaber Frankfurt Pass / Kulturpass
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Battonnstrasse 47, 60311 Frankfurt am Main

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