Blick auf das Rothschildpalais am Untermainkai in Frankfurt am Main.
Rückblick

Mikwe

Geschichte und Architektur jüdischer Ritualbäder in Deutschland / 15.09.1992 - 15.11.1992

Mikwen gehören bis heute, zusammen mit Synagoge und Friedhof, zu den unabdingbaren Einrichtungen einer jüdischen Gemeinde. Dennoch standen die Ritualbäder bislang nicht im Mittelpunkt des allgemeinen und wissenschaftlichen Interesses. Die Ausstellung beschrieb erstmals in Deutschland den Stellenwert und die Funktion der Ritualbäder im Leben der Gemeinde und des einzelnen. Sie dokumentierte vor allem die architektonische Umsetzung der komplexen religionsgesetzlichen Bestimmungen durch die Jahrhunderte. Der seit langem vergriffene Katalog zur Ausstellung wurde dadurch zum gesuchten Standardwerk für Denkmalpfleger und Regionalhistoriker.

Was ist eine Mikwe?

Katalog der Ausstellung "Mikwe"; Jüdisches Museum Frankfurt.
Katalog der Ausstellung "Mikwe"; Jüdisches Museum Frankfurt.

Die Mikwe ist ein rituelles Bad, das religiösen Zwecken dient. Es wird nach genau festgelegten Vorschriften eingerichtet. Die Benutzung dieses Bades unterscheidet sich von der alltäglichen körperlichen Reinigung. Denn entscheidend ist das vollständige Untertauchen. Das Eintauchen in das Bad dient der sittlichen und religiösen Heiligung, die fest in das jüdische Religionsgesetz eingebunden ist. Noch heute wird die Mikwe - nicht nur von orthodoxen Juden - vor der Hochzeit aufgesucht. Auch ist das Untertauchen in der Mikwe vor dem Übertritt ins Judentum eine Pflicht. In orthodoxen Gemeinschaften gibt es zahlreiche weitere Anlässe, bei denen die Benutzung der Mikwe vorgeschrieben ist, insbesondere für Frauen.

Die Idee zu dieser Ausstellung entstand, als bei den Ausschachtungsarbeiten für das Kudenzentrum der Stadtwerke am Frankfurter Börneplatz zwei Mikwen aus der Judengasse gefunden wurden. Diese Ritualbäder aus dem späten 15. und dem 18. Jahrhundert werden rekonstruiert und im "Museum Judengasse" ab November 1992 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mikwen, die zur kultischen Reinigung von Menschen und Gegenständen dienen, gehören bis heute, zusammen mit Synagoge und Friedhof, zu den unabdingbaren Bestandteilen einer orthodoxen jüdischen Gemeinde. Dennoch standen die Ritualbäder bislang im allgemeinen und wissenschaftlichen Interesse nicht im Mittelpunkt.

Die Ausstellung sollte daher, unter Beschränkung auf den deutschsprachigen Raum, den Stellenwert und die Funktion der Ritualbäder im Leben der Gemeinde und der Einzelnen beschreiben. Sie dokumentiert vor allem die architektonische Umsetzung der komplexen religionsgesetzlichen Bestimmungen quer durch die Jahrhunderte.

Die bauliche Struktur der Mikwen wie ihre geographische Verbreitung - ein Schwerpunkt sind die neuen Bundesländer - werden anhand von ca. 30 ausgewählten Beispielen mit Plänen, Fotos und Modellen vorgestellt. Der Ausstellungskatalog dokumentiert umfassend etwa 100 Mikwen. Darin werden auch antike und mittelalterliche Mikwen außerhalb Deutschlands behandelt.

Möglich wurde die Präsentation dieser großen Zahl von Beispielen aufgrund der Initiative vieler engagierter Heimatforscher, Kommunen und Denkmalpfleger. Sie sorgten dafür, das Ritualbäder wiederentdeckt und erhalten werden, und geben uns bis heute Hinweise auf gerade neuaufgefundene Mikwen. Wir wollten mit dieser Ausstellung einen ersten Einblick in die Mikwe als historisches wie zeitgenössisches Bauwerk geben, ohne alle Details erschöpfend zu behandeln.

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geschlossen

  • Eintrittspreise noch offen

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Untermainkai 14, 60311 Frankfurt am Main

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