Das Ehepaar Reich-Ranicki; Foto von Bettina Strauss.
Rückblick

Die Sammlung Reich-Ranicki

Schriftstellerporträts aus zwei Jahrhunderten / 02.10.2003 - 04.01.2004

Marcel Reich-Ranicki ist der bekannteste Literaturkritiker Deutschlands. Seine Artikel, Bücher und Fernsehauftritte zeigen, dass die Beschäftigung mit Literatur, das Lesen, zur Leidenschaft werden kann. Kein Wunder also, dass die „Sammlung Reich-Ranicki” keine gewöhnliche Sammlung von Bildern bekannter Maler ist. Für den Sammler Marcel Reich-Ranicki zählte in erster Linie das Motiv: Schriftsteller.

Der Anstoß zu sammeln war 1967 die Schenkung einer Lithographie von Gustav Seitz, die Bertolt Brecht zeigt. Marcel Reich-Ranicki sammelt seit diesem Zeitpunkt Porträts von Autoren, die ihm nahe stehen.

Über die Jahrzehnte entstand so eine Literaturgeschichte in graphischen Porträts, die sich von Goethe über Heine und Thomas Mann bis zu Günter Grass erstreckt. Über all diese Schriftsteller hat Marcel Reich-Ranicki auch geschrieben – nicht immer zustimmend, aber immer mit Liebe zur Literatur. Seine Sammlung von Schriftstellerporträts repräsentiert Reich-Ranickis persönlichen Zugang zu den Produzenten literarischer Texte, zu den Autoren.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Sammlung liegt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der Höhepunkte der literarischen Moderne entstanden. Autoren wie Thomas Mann oder Bertolt Brecht stehen Marcel Reich-Ranicki besonders nahe. Er hat die gesellschaftliche und formale Offenheit der Literatur dieser Epoche oft thematisiert, was nicht zuletzt biographisch bestimmt ist.

Die Moderne erfuhr durch die Nazifizierung Deutschlands und Europas nach 1933 eine Zäsur. Viele Künstler und Literaten flohen ins Exil und kehrten nie mehr nach Deutschland zurück. Auch Künstler jüdischer Herkunft, die vor 1933 zu den bekanntesten Porträtisten Deutschlands zählten, sind in der Sammlung Reich-Ranicki zu entdecken: Hermann Struck, Eugen Spiro und Emil Orlik.

Die Rezeptionsgeschichte deutscher Kunst und Literatur ist seitdem durch den nationalsozialistischen Kulturbruch geprägt. Die Literatur der Nachkriegszeit spiegelt diese Auseinandersetzung. Autoren der Gruppe 47 wie Heinrich Böll oder Siegfried Lenz, Weggefährten Marcel Reich-Ranickis im literarischen Leben der Bundesrepublik, schrieben über die deutsche Vergangenheit. Auch ihre Porträts finden sich in der Sammlung Reich-Ranicki.

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

Heute geschlossen

  • Eintrittspreise noch offen

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Untermainkai 14, 60311 Frankfurt am Main

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