Blick in die Ausstellung "Carlo Levi" am 24.03.2003, Foto von Michael Lenarz; Jüdisches Museum Frankfurt.
Rückblick

Carlo Levi

Ausgewählte Werke des Malers, Schriftstellers und Widerstandskämpfers / 30.01.2003 - 06.04.2003

Carlo Levi (1902–1975) war einer der bedeutendsten Intellektuellen der italienischen Nachkriegsgeschichte. Sein 1945 entstandenes Buch Cristo si è fermato a Eboli (Christus kam nur bis Eboli), das 1979 von Francesco Rosi verfilmt wurde, erlangte Weltruhm. Dass er auch zu den wichtigsten Malern des italienischen Realismus zählt – er nahm allein fünfmal an der Biennale in Venedig teil – blieb hingegen im Ausland weitgehend unbeachtet.

Gemälde von Carlo Levi, Auf Hügeln oder Wellen schreibend, 1973
Carlo Levi, Auf Hügeln oder Wellen schreibend, 1973, Öl auf Leinwand, Fondazione Carlo Levi, Rom

Levi entstammt einer jüdischen Arztfamilie aus Turin, die mit dem Sozialismus sympathisierte. In Paris, wo er zeitweilig ein Atelier hatte und die Avantgardisten vom Montparnasse kennen lernte, schloss er sich der antifaschistischen Untergrundgruppe Giustizia e Libertà an. Sie wurde verraten, und Levi wurde 1935 in ein winziges Bergdorf des Mezzogiorno verbannt. Das Elend der archaischen Verhältnisse des Südens, die Armut der Bauern, die Malaria, die ihn zwang, heimlich – aber geduldet – seinen Arztberuf wieder auszuüben, hat er in seinem literarischen Hauptwerk eindrücklich geschildert. Aber auch in der Verbannung hat Carlo Levi gemalt.

Seine frühen Bilder aus den 20er Jahren stehen unter dem Einfluss der Neuen Sachlichkeit und von Modigliani. Die Bilder seiner Pariser Zeit werden mit Werken der Fauvisten oder von Soutine verglichen. Levis Farben blieben immer kraftvoll, sein großzügiger Duktus erinnert an den deutschen Expressionismus. 1934 wurde er von den Faschisten von der Biennale ausgeschlossen, wogegen viele Künstler protestierten, darunter Chagall, Leger, Derrain, und Signac. In der Auseinandersetzung zwischen Realisten und Abstrakten in der Nachkriegszeit, polemisierte Levi gegen ungegenständliche Kunst – vielleicht ein Grund, weshalb er in Westdeutschland bislang nicht ausgestellt wurde. Carlo Levi hat viele berühmte Personen porträtiert, darunter Italo Calvino, Frank Lloyd Wright, Ilja Ehrenburg und Pablo Neruda, der ihn eine „Eule” nannte, weil er bis in die Dämmerung weitermalte, wobei er die Porträtierten in Gespräche verstrickte und dadurch auf ihren Gesichtern unbekannte Züge zum Vorschein brachte.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt präsentiert mit über 60 Gemälden erstmals einen umfassenden Überblick über das malerische Schaffen des engagierten Schriftstellers und Publizisten.

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Frankfurt

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