30 Jahre jüdische Museologie

Symposium

So. 11.11.18 / 14:00 Uhr

Helmut Kohl bei der Eröffnung des JMF 1988 © Jüdisches Museum Frankfurt
Helmut Kohl bei der Eröffnung des JMF 1988 © Jüdisches Museum Frankfurt

Veranstaltungsort: Jüdisches Museum Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main

Das Jubiläum des Jüdischen Museums markiert einen Wendepunkt: 30 Jahre nach der Eröffnung ist es an der Zeit, die Konzepte und Vorstellungen zu reflektieren, mit der das Museum einst gegründet wurde. Warum wurde das Haus am symbolträchtigen 9. November 1988 eröffnet? Was wurde als vordringliche Aufgabe des ersten Jüdischen Museums in der Bundesrepublik Deutschland verstanden? Und vor welchen Herausforderungen steht das Museum unmittelbar vor seiner Wiedereröffnung im Jahr 2019?

Das Symposium wird die Geschichte des Museums vor dem Hintergrund dessen reflektieren, was in den vergangenen 30 Jahren in Europa geschehen ist, und welche Zukunft sich abzeichnet. Weitere, noch größere Jüdische Museen wurden eröffnet, und angesichts der politischen Umbrüche und des gesellschaftlichen Wandels stellt sich die Frage nach ihren Aufgaben.

14 Uhr // Quo vadis? Zu den Aufgaben und Profilen Jüdischer Museen in einer orientierungslosen Welt

Wo stehen Jüdische Museen heute? Wie vermitteln sie jüdische Geschichte und Erfahrung in postfaktischen Zeiten? Welche Rolle spielen lokale Bezüge und Communities für die Museumsarbeit? Wer besucht Jüdische Museen und mit welchen Erwartungen? Welche Auswirkungen haben gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte und der zunehmende Antisemitismus auf die Programmgestaltung und das Selbstverständnis?

Über diese und andere Fragen spricht Museumsdirektorin Dr. Mirjam Wenzel mit internationalen Gästen:

Dr. Natalia Romik, Architektin, Kuratorin und Politikwissenschaftlerin, hat unter anderem das Nomadic Shtetl Archive konzipiert und über die Gegenwart der Schtetl-Architektur promoviert.

Dr. Irit Dekel, Kultursoziologin, hat über die Präsentation jüdischen Lebens in deutschen Museen und Denkmälern und die daraus resultierenden Reaktionen von Museumsbesucher* innen geforscht.

Hetty Berg, Chefkuratorin am Joods Cultureel Kwartier, Amsterdam, beschäftigt sich intensiv mit den Konzepten der im Entstehen begriffenen Dauerausstellungen an Jüdischen Museen in Europa.

16 Uhr // Vor 30 Jahren: Erinnerungen und Reflexionen über die Gründung des Jüdischen Museums Frankfurt

Mit der Gründung des ersten eigenständigen Jüdischen Museums nach der Schoa rückte erstmals eine große deutsche Stadt ihre jüdische Geschichte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Welche Konsequenzen hatte das für die Geschichtsschreibung in der Bundesrepublik Deutschland? Welche Absichten und Konflikte waren der Gründung vorausgegangen? Und wie wurde das Museum in der Anfangszeit wahrgenommen?

Michael Lenarz, stellvertretender Direktor, moderiert den Rückblick und die Reflexion über die Gründung des Hauses mit zwei Zeitzeugen und einer Historikerin:

Zarin Aschrafi, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Leipzig, erforscht im Rahmen ihrer Promotion den zeithistorischen Kontext der Museumsgründung.

Dr. Rachel Heuberger, Leiterin der Hebraica- und Judaica-Abteilung der Frankfurter Universitätsbibliothek, war gemeinsammit ihrem Mann Georg Heuberger unmittelbar an den konzeptionellen Überlegungen des Museums beteiligt.

Dr. Dr. Michel Friedman, Geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies, Jurist, Philosoph, Publizist und Fernsehmoderator, hat die Museumsgründung unterstützt, begleitet und kommentiert.

18 Uhr // Das Entstehen nationaler Jüdischer Museen und nationaler jüdischer Geschichtserzählungen

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wandelten sich die Organisationsform und das Erscheinungsbild Jüdischer Museen in Europa. Wurden die meisten Museen bis dato von den Kommunen getragen, entstehen nun immer mehr nationale Einrichtungen, was Konsequenzen für die Form und Perspektiven mit sich bringt. Die neuen Jüdischen Museen beziehen nicht nur symbolträchtige architektonische Bauten, sie erzählen jüdische Geschichte auch aus der Perspektive einer nationalen Geschichtsschreibung.

Dr. Werner Hanak, stellvertretender Direktor, diskutiert über diesen Wandel mit Kolleginnen aus aller Welt:

Inka Bertz, Leiterin der Sammlungen und Kuratorin für Kunst im Jüdischen Museum Berlin, hat sich intensiv mit der Geschichte ihres Hauses auseinandergesetzt.

Dr. Brigitte Sion, Programmdirektorin der Rothschild Foundation Hanadiv Europe, beobachtet seit Jahren die Entwicklungen der Jüdischen Museen in Europa.

Dr. Barbara Kirshenblatt-Gimblett, emeritierte Professorin für Performance Studies an der New York University, hat die neue Dauerausstellung im POLIN – Museum of the History of Polish Jews, Warschau, kuratiert.

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